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[Bericht] North Sea Beach Marathon 2007 (Hvide Sande - Vejers Strand) Forum: Veranstaltungen

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[Bericht] North Sea Beach Marathon 2007 (Hvide Sande - Vejers Strand)
Karsten Pöhlmann
08.07.2007 18:34:28
59-5148
[Bericht] North Sea Beach Marathon 2007 (Hvide Sande - Vejers Strand)
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[x] Ich habe den Bericht auf DRSL.de archiviert.
[x] Disclaimer: dieser Bericht ist ausschließlich für die Usenetgruppen
de.rec.sport.laufen.* bestimmt und darf darüber hinaus unter drsl.de
und damit verwandten Seiten gespeichert werden. Einer (auch auszugs-
weisen) Veröffentlichung außerhalb des Usenets stimme ich nicht zu.
Ausgenommen hiervon ist das Usenetarchiv groups.google.de.
[ ] Ich widerspreche der Archivierung auf DRSL.de.

Name des Laufes: North Sea Beach Marathon 2007
Datum: 1.7.2007
Ort: Hvide Sande - Vejers Strand
Postleitzahl:
Homepage (Veranstalter): http://www.beachmarathon.com
Ihr Name: Karsten Pöhlmann
Ihre eMail-Adresse: karsten at karmaik.de
Streckenlaengen: 42195 m
Beschaffenheit: Sandstrand
Profil: Flach
Wetter: Wind und Regen bis zum Umfallen
Teilnehmer: ca. 350
Bericht:

Eine windige Angelegenheit

So, erst einmal möchte ich mich dafür entschuldigen, dass ich mir für
diesen Bericht eine Woche Zeit gelassen habe. Aber zwischen dem
Zieldurchlauf in Vejers Strand und den ersten Worten dieses Rückblickes
lagen noch weitere aufregende Tage einer Klassenreise, die mir und
meinen Schülern die eine oder andere Grenzerfahrung bescherte: Wir waren
Paddeln auf der Müritz, aber das ist eine ganz andere Geschichte das
Wetter aber das gleiche...

Es war am Samstag letzter Woche, als ich mit meiner Familie mit dem
Wohnmobil in Richtung Dänemark aufbrach. Ziel der Reise war Hvide Sande
an der Nordsee, dem Startort des diesjährigen Northsea Beachmarathons.
Das Wetter war hochgradig durchwachsen. Schon auf der Autobahn
wechselten sich unwetterartige Regengüsse mit dem allerschönsten
Sonnenschein ab.

Nach gut viereinhalb Stunden und einer kurzen Rast hatten wir unser
erstes Teilziel erreicht: Nörre Nebel. Genauer gesagt das Bade- und
Erholungscenter "Sea West" etwas nördlich von Nörre Nebel. Hier holte
ich mir die Startunterlagen ab. Liebevoll wurde ich begrüßt, wie
eigentlich jeder, der zu der Zeit um mich herum stand. Sie sind halt ein
freundliches Volk die Dänen. Ich nahm also meine Startnummer an mich und
ging zurück zum WoMo. Das Wetter machte ab jetzt einen hervorragenden
Eindruck. Es war warm, sonnig und der blaue Himmel lud zu einer weiteren
Spritztour ein.

Von nun an überließ ich meiner Frau das Steuer und wir schauten uns die
Bedingungen im Zielbereich an. Wir fuhren also nach Vejers Strand, ein
kleiner touristischer Ferienort an der Nordseeküste mit breitem und
festem Sandstrand. Vor einigen Jahren habe ich hier bereits ein paar
Tage Urlaub verbracht -- zu einer Zeit, als ich niemals im Leben daran
gedacht hätte, 42,2 km auf Sand einen Marathon zu laufen.

Es war sehr windig hier in Vejers. Die Sonne wusste auch nicht so recht,
immer wieder schoben sich einzelne Wolkenformationen vor sie. "Na, das
kann ja heiter werden...", dachte ich noch so bei mir und malte mir die
schlimmsten Bilder für den morgigen Strandmarathon aus. Dass es noch
schlimmer kommen würde, konnte ich da noch nicht vorausahnen...

Wir fuhren weiter Richtung Norden nach Nymindegab. Hier war der
offizielle Start der Halbmarathondistanz. Auch hier war es meiner Frau
wichtig, wie sie hier parken und zum Strand kommen kann, um mich morgen
bei Halbzeit standesgemäß anfeuern zu können. Auf eine noch längere
Autofahrt hatte dann Baby-Piet keine Lust mehr und wir fuhren gen
Ringköbing Fjord zum Camping Platz. Bei herrlichstem Abendwetter
schmeckte die Pasta besonders gut und die kommende Nacht verlief
erstaunlich ruhig. Danke Piet :o)

Es war Sonntag, der 1. Juli 2007. Nach dem gemütlichen Frühstück fuhren
wir zum Start nach Hvide Sande. Windig war es und der Wind kam natürlich
genau und ausgerechnet aus Süd.... Eine Besserung war nicht in Sicht und
so entwickelte sich eine windige Angelegenheit über vier Stunden und
einem Sandkeks.

Es herrschte eine familiäre Stimmung am Start. Die dänischen
Nationalflaggen sowie das dazu farblich passende Flatterband umfassten
den Startblock, der mich irgendwie schmunzelnd an einen Rinderpferch
erinnerte. Aber das nur so nebenbei bemerkt... Schnell warf ich noch
einen Stein mit meinem Kleinen in die Nordsee und machte mich dann etwas
warm. Ich wollte meine Sehnen, Muskeln und Bänder dann doch nicht ganz
unvorbereitet loslaufen lassen, wer weiß schon, wie die Horde losrennt.
Ich trabte also gut 800 Meter auf bestem Strandsand und fühlte mich gut.
Ich hatte richtig Lust zu Laufen, auch wenn ich etwas skeptisch und gar
ehrfürchtig an die kommende Aufgabe denke.

Wir wurden alle auf das herzlichste in den verschiedensten Sprachen
begrüßt, auch wenn ich fast immer nur das Wort "Beachmarathon"
verstanden hatte. Im vergangenen Jahr soll es hier gute 30° C gehabt
haben und Windstille... Dieses Jahr waren die Bedingungen "etwas" anders!
Die Läufergemeinde hat sich im Startbereich versammelt und der Countdown
begann. Dann der Start! Meine Fresse, was haben die denn vor? Da pesen
tatsächlich einige in einem Tempo los, was mir sofort eine
Sauerstoffschuld beschert hätte. Ich wählte ein Tempo so um die 5:30
min/km, lief eigentlich ohne genaues Zeitziel los und wollte unterwegs
noch ein paar Eindrücke per Schnappschuss einfangen.

Zunächst wurde eine Schleife gelaufen, die uns zum Startbereich
zurückführte. Hier im Richtungswechselbereich machte ich noch schnell
ein Foto und winkte meinen beiden Lieben zu. Schnell war der erste
Kilometer erreicht, aber überwältigt von den Natureindrücken, der
herrlichen Dünenlandschaft, dem weiten Blick voraus auf den zu
bewältigenden Strand und die traumhafte Brandung der aufgewühlten
Nordsee, vergaß ich diesen zu stoppen. War ja eh egal.

Ich fand mein Tempo immer so um die 5:45 und 5:30 min/km und es wurde
viel mit den Nachbarn geplaudert. Sofern man sich denn einerseits
muttersprachlich verständigen konnte und andererseits der Gegenwind eine
Konversation zuließ. Im Grunde war Windschattenlaufen angesagt, sonst
geht man irgendwann ein. Wir hatten bestimmt Windstärken zwischen 6 und
7, das kostete Körner und nagte irgendwann an den Nerven und der Substanz.

Nachdem ich mich an die Bedingungen etwas mehr gewöhnt hatte, lief es
eigentlich richtig rund. Nur der ständig wechselnde Untergrund von
festen, ganz passabel zu belaufendem Strandsand zu weitläufigen
Kiesflächen, in denen man herrlich wegrutschte bzw. arge Stand- und
Abdruckprobleme bekam, störte etwas die läuferische Idylle. Oder war es
gerade das, was diesen Lauf so besonders machte? Es sollte auf jeden
Fall nicht langweilig werden.

Kilometer 5 stoppte ich bei 0:29:36 Std. ab. Wenn man bedenkt, dass ich
noch das eine oder andere Foto vom Start und der Umgebung, den Läufern
und der Monstersteine, die uns den Weg einschnürten, gemacht habe, dann
bin ich eigentlich ganz zufrieden. Etwas später lief ich auf eine Gruppe
auf. Der eine, sportliche Mann mit dem T-Shirt vom Itzehoer Störlauf kam
mir doch recht bekannt vor. Ich sprach Gerd Freiwald an und dankte ihm
für seinen Bericht vom Beachmarathon 200?, der mich vor ein paar Wochen
überzeugte hier zu starten. Wie klein doch die Läuferwelt ist... Wir
wechselten ein paar Worte und ich verabschiedete mich dann nach vorne.
Ich hörte nur noch "Los hinterher -- Windschatten ausnutzen !!!" und fand
schnell wieder meinen Rhythmus. Kilometer 10 habe ich verpasst zu
stoppen, ein- bis zweihundert Meter weiter zeigte die Uhr dann 0:59:11
Std. Es war O.K., der Regen setzte ein...

Ich hörte ein leichtes Schnaufen hinter mir. Zu mir gesellte sich Frank
aus Dortmund. Wir liefen immer abwechselnd im Wind und gaben uns
Schatten... Wind und Regenschatten. Der Regen wurde doller, der Lauf von
Schritt zu Schritt immer härter, der Schweinehund in mir blinzelte schon
mit einem Auge und spitzte die Ohren. Mit Frank lief es dann immer
besser, wir holten bis zum Halbmarathon Sekunde um Sekunde auf und es
schien sogar eine Endzeit von SUB 4 plötzlich möglich. Mich quälte indes
aber mein Laufgurt mit der Kamera und den zwei kleinen Trinkfläschchen.
Immer wieder drehte der sich und ließ mich meinen Rhythmus verlieren.
Nervig. Das Wetter dazu, der Regen, der Wind, ätzend. Kilometer 20 --
vergessen zu stoppen, egal... Hauptsache gleich kommt die Stelle, an der
meine Frau mich mit meinem Kleinen anfeuern wollte. Nymindegab,
erinnerte ich mich an den Namen der Ortschaft.

Schreck... Meine Frau ist nicht da. Ist sie mit dem Wohnmobil nicht klar
gekommen? Hatte sie vielleicht einen Unfall? Hat sie vielleicht hinter
der Düne keinen Parkplatz bekommen?
Fragen über Fragen, die mich über den nächsten Kilometer überkamen.
Schlimm war auch die zu laufenden Strecke hier... Kiesel und
Sandmatsch... Kilometerlang... Dann plötzlich klingelte mein Handy. Ich
pulte es aus der Oberarmtasche... "Wo bist Du gerade?", hörte ich sie
fragen. Ich gab Frank aus Dortmund ein Zeichen, verabschiedete mich
dankend von ihm und klärte meine Frau über meinen körperlichen und
geistigen Zustand auf. Sie stand in Nymindegab auf dem Parkplatz, es
regnete Bindfäden und mein Sohn schlief träumend, wohl behütet und
trocken in seinem Sitz. Da konnte sie es nicht übers Herz bringen. Ich
hatte zwar meine eigenen Probleme -- vor allem mit diesem sch..ß Gürtel,
konnte aber dennoch irgendwie Verständnis aufbringen. Es ist schon
erstaunlich wie gut mal beim Laufen telefonieren kann...Wir verabredeten
uns für Henne Strand. Das waren für mich noch gut 8 Kilometer und so
auch für meine Frau genügend Zeit dorthin zu juckeln. Das Treffen
klappte optimal. Ich wurde meinen Gürtel los, die gefühlt 150 kg schwere
Kamera konnte ich abgeben, dazu noch die Sonnenbrille, die ich so gar
nicht brauchte. Wann auch? Es regnete immer noch Hunde, Katzen und
Bindfäden, der Wind blies wie gehabt so doll er konnte aus Süd direkt
ins Gesicht.

Das Windschattenlaufen hatte man schnell drauf. Nur musste man dann auch
sehr reaktionsschnell und aufmerksam sein. Nicht nur, dass man aufpassen
musste wo man hintrat ohne umzuknicken (da waren einige fiese Löcher im
Sand), nein auch nicht zu unterschätzen war die Nordsee. Erst recht wenn
man an der Wasserkante lief. Du bist da also in Deinem
"Wind-und-Regenschatten-und-pass-auf-wo-du-hintrittst-Trott", da springt
der Typ vor Dir beherzt nach Backbord zur Seite. Geistesgegenwärtig
musst Du mitspringen, wenn Du nicht mit einem Fuß mitten in der See
baden möchtest. Nichts ist glaube ich unangenehmer als 42 km Salzwasser
in den Schuhen...

Doch: recht früh hat meine linke Socke eine Falte geworfen. Das Ergebnis
war eine schicke Flächenblase und dem Fuß. Aber egal, weiter ging es.
Kilometer 30 habe ich bei 2:55:08 Std. abgestoppt. Es lief erstaunlich
gut jetzt. Ich fühlte mich frei so ohne den Gurt. Die regelmäßigen
Verpflegungsstellen waren liebevoll hergerichtet, immer ein lieber
aufbauender Blick und hier waren immer ein paar nette Worte zu wechseln.
Es gab für jeden Läufer eine gehörige Auswahl an Wasser in Bechern oder
in einer 0,5 l-Flasche, Isodrinks, Bananen und halbierte Müsliriegeln.
Gerade die haben es mir irgendwann angetan. Wahrscheinlich durch die
Seeluft -- ich brauchte immer etwas Süßes :o)

Noch 10 Kilometer. Vom Wetter gibt es nix Neues zu berichten, dem
Schweinehund habe ich signalisiert, dass er null Chance hat hier Herr
über mich zu werden. Ich wollte das Ding - koste was es wolle - auf
jeden Fall nach Hause laufen.
Ich lief auf einen älteren Läufer vom VfL Bückeburg auf. Er humpelte
etwas, ich bot ihm meine Hilfe an. Da die Zeit mir mittlerweile egal war
-- SUB 4 habe ich mir irgendwann abgeschminkt -- blieb ich eine Weile mit
ihm zusammen. Auch hier ergab sich dann ein nettes Gespräch, das uns
über die nächsten Kilometer begleitete. Der Strand war hier zwischen
Henne-, Graerup- und Vejers Strand wunderbar zu belaufen. Recht hart,
nur etwas regenbedingt matschig. Wenigstens ist man nicht mehr im Kies
weggerutscht und man musste auch nicht mehr an der Wasserkannte tanzen.
Kurz vor Kilometer 35 (3:25:42 Std.) klingelte erneut mein Handy.
Aufbauend ermunternde und gerne entgegengenommene Worte folgten der
Frage: "Na, biste schon im Ziel ???"... Sehr witzig!

Ab Kilometer 40 (3:56:22 Std) konnte man das Ziel bereits sehen. Das
große Zelt war zu erahnen, die Hüpfburg, von der meine Frau berichtete
schimmerte durch die Regenmassen. Noch gut zehn bis zwölf Minuten dachte
ich so bei mir, sammelte den Kollegen aus Bückburg wieder ein und
präparierte mich und meine flatternde Startnummer für das Zielfoto. Das
Ziel kam unspektakulär immer näher und näher. Plötzlich ein Aufschrei:
Mist, Bückeburgs Oberschenkel streikte. Ich bot ihm erneut meine Hilfe
an, ich hätte ihn sogar mit über die Ziellinie geschleppt, aber er ließ
mich ziehen. Wie ich in den Ergebnislisten nachlesen konnte, hat auch er
natürlich auch noch gefinished, an dieser Stelle -- sollte er es Lesen --
"Gute Besserung!"

Noch 200 Meter. Ich erkenne meine Frau und meinen Sohn. Sie waren
überglücklich mich zu sehen. Und ich erst. Ich war überglücklich sie und
vor allen DAS ZIEL zu sehen und zu überlaufen. Gänsehaut, Tränen. Ich
stoppte meine Uhr bei 4:08:45 Std. und bekam die Medaille um den Hals
gehängt. Die Tränen der Freude ob der vollbrachten Qual, äääh Leistung
überkamen mich. Ein deutliches Zeichen, dass der Lauf einfach geil war.
Schon dort im Zielbereich beschloss ich: "Ich komme wieder !!!"

Danke fürs Lesen,
Karsten


# Vielen Dank fuer die Verwendung dieses Templates
# Ihr DRSL.de-Team


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5  [Bericht] North Sea Beach Marathon 2007 (Hvide Sande - Vejers Strand) Karsten Pöhlmann 08.07.2007 18:34:28
1     Re: [Bericht] North Sea Beach Marathon 2007 (Hvide Sande - Vejers Strand) Marcus Soltwedel 08.07.2007 19:42:16
0        Re: [Bericht] North Sea Beach Marathon 2007 (Hvide Sande - Vejers Strand) Karsten Pohlmann 08.07.2007 20:16:09
0     Re: [Bericht] North Sea Beach Marathon 2007 (Hvide Sande - Vejers Strand) Michae! Morgentha!er 09.07.2007 05:16:22
0     Re: [Bericht] North Sea Beach Marathon 2007 (Hvide Sande - Vejers Strand) Uwe St?ckel 09.07.2007 08:28:54
0     Re: [Bericht] North Sea Beach Marathon 2007 (Hvide Sande - Vejers Strand) Karsten Voss 09.07.2007 23:53:19

Quelle: de.rec.sport.laufen.veranstaltungen
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